Kongress „PM-Welt“: Bereit fĂŒr die Projekte von morgen?

Kongress „PM-Welt“: Bereit fĂŒr die Projekte von morgen?

Die Revolution unserer Gesellschaft durch den rasanten digitalen Fortschritt steht erst in ihren AnfĂ€ngen. Sie wird unser Leben und unsere Arbeitswelt in allen Bereichen radikal verĂ€ndern. So auch das Projektmanagement. Wie werden wir in Zukunft Projekte steuern? Intensiver Austausch und geballtes Wissen aus der Praxis zum Thema Projektmanagement in Zeiten der digitalen Transformation, das hatte der Projektmanagement-Kongress der „PM Welt“ in MĂŒnchen Mitte MĂ€rz zu bieten. Fast 750 Teilnehmer hatten die Qual der Wahl zwischen vielen spannenden Themen und VortrĂ€gen. Als Highlight versetzte Richard David Precht mit seiner Sprache und seinem Intellekt die Zuhörer in eine fesselnde Zukunftsversion rund um mögliche Auswirkungen der digitalen Revolution.

 

Michael Wild von Hohenborn und Guido Berghoff auf dem PM-Welt-Kongress in MĂŒnchen
Michael Wild von Hohenborn und Guido Berghoff auf dem PM-Welt-Kongress in MĂŒnchen
Galt seit der Antike der Mensch als das Maß aller Dinge, so sind heute und in Zukunft Computer das Maß aller Menschen. Und damit stoßen klassische Projektmanagementstrukturen an ihre Grenzen. Heute gilt es, agil zu sein. Das Schlagwort „agil“ durchzieht als Modewort und Trend die Projektmanagement-Literatur, die Schulungs- und Beraterszene. Agil ist „in“. Viele Organisationen und Unternehmen versuchen, ihre Projekte agil durchzufĂŒhren, um besser, schneller und kundenorientierter zu werden.

Als Dienstleister im AgenturgeschÀft erleben wir von PPW die Auswirkungen dieses Umdenkens tÀglich und versuchen, ihnen Rechnung zu tragen, indem wir unter anderem eingesetzte Methoden und Projektmanagement-Tools immer wieder hinterfragen und adaptieren. Agiles Projektmanagement also auch im PPW Projektalltag, um dem Trend zu immer schnelleren Entwicklungen und komplexeren Produkten Herr zu werden.

Agile Methoden erfordern allerdings nicht nur ein Umdenken in der Organisation des Projekts, sondern auch im Projektumfeld. Dieser Kulturwandel betrifft ganze Unternehmen, einzelne Abteilungen und vor allem die Projekte. Derzeit stehen viele Projektleiter und Projektteams vor der Frage, wie ein solcher Kulturwandel gelingen kann. Einen allgemeingĂŒltigen Blueprint gibt es nicht, schließlich ist jede agile Transition so individuell wie das durchzufĂŒhrende Projekt selbst.

 

Agile Transformation: Das Schlagwort der letzten Jahre im Projektmanagement
Agile Transformation: Das Schlagwort der letzten Jahre im Projektmanagement Foto: Susanne Görtz

 

Digitalisierung und AgilitĂ€t als Zeichen fĂŒr den Wandel.

In fast allen Branchen und Unternehmen werden Digitalisierungs-Initiativen gestartet und große VerĂ€nderungsprozesse angestoßen. Als Vorbild dienen dabei oft agile Organisationen und Produktentwicklungen aus der Softwareentwicklung. Neue Rollenmodelle und Methoden erfordern jedoch ein anderes VerstĂ€ndnis von PrioritĂ€ten, Kontrolle und Steuerungsprozessen.

Eine unbestÀndige (volatile) Umgebung erzeugt enorme Unsicherheit in gewohnten Mustern. Die Unsicherheit wirkt sich aus auf Planungen, Vorhersagen, Budgets und damit auf unsere Projekte.
erlĂ€utert Alex Kempkens, CEO von Think Network. Die Unsicherheit in der Planung und in den Szenarien zwingt Unternehmen zur VerĂ€nderung der Arbeitsprozesse. Konzepte wie Lean-Startup werden angewendet, um Risiken vom KerngeschĂ€ft fernzuhalten und dennoch etwas Innovatives „auszuprobieren“.

Die neuen Technologien und Kommunikationsformen schaffen verĂ€nderte Anforderungen auch an die FĂŒhrung. Projekte benötigen FlexibilitĂ€t, schnell reagieren zu können, die neue Planung unterstĂŒtzt dies durch weniger Kontrolle und Festsetzung.

FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen Entscheidungsgremien verlassen und stattdessen eine neue Kultur fĂŒr einen „guten Rat“ etablieren (Advice based Decision-Process).
so Alex Kempkens weiter. FĂŒhrungskrĂ€fte lernen, das System zu managen und nicht die Mitarbeiter zu steuern. Es geht um WertschĂ€tzung den Mitarbeitern gegenĂŒber, um Eigenverantwortung sowie Selbstbestimmung und die Motivation durch sich selbst (intrinsisch).

Bei PPW soll das Setzen von Leitplanken die Projektteams dabei unterstĂŒtzen, sinnvoll und selbstorganisiert erfolgreich an Projekten zu arbeiten. VerĂ€nderte Prozesse sollen helfen, verĂ€nderte Anforderungen im Projekt schnell und sicher umzusetzen. Um auf die sich stĂ€ndig verĂ€ndernden Anforderungen reagieren zu können, braucht es nicht so sehr Standard-Prozesse fĂŒr Verfahren, sondern gemeinsam gelebte Prozesse fĂŒr VerĂ€nderung. Umso wichtiger wird Lernen als Kulturstil.

Fachvortrag von Heinz Erretkamps zu den Themen Wasserfall, Scrum, Agile und Lean
Spannend: Fachvortrag von Heinz Erretkamps zu den Themen Wasserfall, Scrum, Agile und Lean
Foto: Susanne Görtz

 

Hybrides Projektmanagement als BrĂŒcke?

Wie es mit Trends so ist, folgt auf einen Trend der nĂ€chste. „Hybrid“ lautet ein neues Schlagwort. Bezogen auf Projektmanagement bedeutet hybrid, mehrere Vorgehensmodelle oder ManagementansĂ€tze zu kombinieren. HĂ€ufig wird der Ausdruck verwendet, wenn agile Methoden mit traditionellem Projektmanagement verbunden werden.

Im Moment ist eher die Vielfalt der angewandten Vorgehensmodelle, bestehend aus unterschiedlichsten Kombinationen traditioneller und agiler Methoden und AnsÀtze das, was sich durchzusetzen scheint.
, beobachtet Cornelia Niklas, Dozentin fĂŒr Projektmanagement an der Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft in Berlin. Agiles Projektmanagement begeistert zwar immer mehr Projektverantwortliche in Unternehmen gleichwohl wie in Agenturen, stĂ¶ĂŸt aber in Linienorganisationen oft an seine Grenzen. Traditionelle AnsĂ€tze erfahren dadurch wieder eine höhere WertschĂ€tzung. 

 

Projektmanagement zeichnet gerade die Eigenschaft aus, sich an die BedĂŒrfnisse von Unternehmen und Organisationen anpassen zu lassen und daraus neue AnsĂ€tze auf Basis guter Erfahrungen hervorzubringen.
ist sich Cornelia Niklas sicher. Hybrides Projektmanagement bildet dabei die BrĂŒcke zwischen rein sequentiellem, plangetriebenem Vorgehen und iterativen, agilen Methoden und Denkweisen und ermöglicht eine weitere Steigerung von Projekteffizienz und -erfolg.

 

Betrachtet werden dabei sowohl die Erweiterung des Methodenspektrums und die Evolution von FĂŒhrungsstilen als auch die Erkenntnis und Akzeptanz, dass die Projektmanagement-Welt sich nicht ausschließlich in agil und nicht-agil unterteilen lĂ€sst, sondern die Wahrheit und der „Best-fit“ fĂŒr die meisten Projekte irgendwo dazwischen liegt.

Scetch Note „Die Zukunft im Blick“ – Es bleibt spannend
„Die Zukunft im Blick“ – Es bleibt spannend
Foto: Susanne Görtz

 

Titelbild: Susanne Görtz