Ein Interview mit Kreativen ├╝ber Icon-Entwicklung.

Ein Interview mit Kreativen ├╝ber Icon-Entwicklung.

Wenn das ÔÇ×SpeichernÔÇť-Icon von unseren Nachfahren bestenfalls noch als Latzhose erkannt wird, sollte vielleicht etwas geschehen. Denn allein der Versuch, eine echte Diskette aufzutreiben, schlug fehl. Und wir sind immerhin eine Internetagentur.

Ein Interview mit den Kreativen.
Ein Interview mit den Kreativen Michael Wild von Hohenborn, Dominique Blasiak, Robin Acheampong (vlnr)

Zum gestrigen World Usability Day hat sich unser Konzeptionsazubi Dominique mit seinen Kollegen damit auseinandergesetzt, welches Symbol zuk├╝nftig das in die Jahre gekommene Speichern-Icon visualisieren k├Ânnte. Den Ausschlag gab daf├╝r der Design- und Kreativwettbewerb der Stuttgarter Zeitung und der Wirtschaftsf├Ârderung der Region Stuttgart.

Ich habe nachgefragt, was daraus geworden ist.

Welche ├ťberlegungen gingen euren Entw├╝rfen voraus?

Michael Wild v. Hohenborn:

Zun├Ąchst einmal: Die Zeit war ziemlich knapp. Wenn wir eine Woche mehr Zeit gehabt h├Ątten, h├Ątte das Ergebnis vielleicht anders ausgesehen. Vielleicht h├Ątten wir dann auch wieder mit der Form eines Pfeils gespielt, was ja bei vielen eingereichten Entw├╝rfen Thema war. Das liegt ja auch der Vorstellung vom Speichern recht nah. Da wir aber auch mit einem Alleinstellungsmerkmal am Wettbewerb teilnehmen wollten, haben wir uns zun├Ąchst auf andere Perspektiven konzentriert. Zum Beispiel: Wie sieht es in 30 Jahren aus? Gibt es da ├╝berhaupt noch Monitore? Oder sollten wir uns den Vorgang des Abspeicherns mehr als etwas Organisches vorstellen?

Dominique:

Wir sind deshalb dann in die Richtung gegangen, dass das Icon die Dynamik des Speichern-Vorgangs abbilden sollte. Wir haben versucht, in unseren Entw├╝rfen den Wechsel der Zust├Ąnde ganz abstrakt zu veranschaulichen.

Robin:

Ganz abstrakt beschreibt also der Vorgang des Speicherns nichts anderes als ein Objekt, aus dem ein weiteres Objekt entsteht und an einen Ort bewegt wird. Das ist zugleich die Basis f├╝r ein zeitloses Symbol.

 

Ihr habt zwei Entw├╝rfe eingereicht. Gibt es da Unterschiede in der Bedeutung?

Dominique:

Also beide Icons von uns sagen dasselbe aus. Meins ist vielleicht noch ein wenig strategischer und geometrischer. Ich habe da ganz einfach nicht so weit in die Zukunft projiziert.

Michael Wild v. Hohenborn:

Und darin lag auch der konzeptionelle Ansatz bei unserer Icon-Entwicklung, ins Weite zu denken und dann wieder zur├╝ckzufinden, in die Gegenwart.

 

Was haltet ihr von den Gewinner-Icons?

Robin:

Wie schon gesagt, die Idee mit dem Pfeil nach unten lag auf der Hand. Problematisch wird es allerdings da, wo dieses Symbol in ├Ąhnlicher Weise bereits gibt, zum Beispiel als Download-Zeichen bei iOS. Ich denke, da ist die Verwechslungsgefahr ziemlich gro├č.

Michael Wild v. Hohenborn:

Was mich als Icon-Entwickler mit mehr als 30 Jahren Erfahrung sehr wundert, ist die Vorgehensweise im Auswahlverfahren. Es ist eigentlich ein Unding, Icons zu bewerten, ohne die Genesis, ohne das Konzept als Teil dieser Bewertung miteinzubeziehen. Insgesamt war das Bewertungssystem sehr intransparent.
Ich bin sicher, dass so ein Ergebnis anders ausf├Ąllt, wenn bei der Entscheidung mehr in die Tiefe gegangen wird.