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Was ist Webdesign? | Teil 1 der Blogserie

Was ist Webdesign? | Teil 1 der Blogserie

In dieser dreiteiligen Blogserie tauchen wir ein in die Untiefen des Webdesigns: Wie ist es entstanden, was macht es aus, wie unterscheidet sich das digitale Design vom klassischen Print-Design, wofür steht der Begriff responsives Webdesign…bis schließlich zur letzten Station, den aktuellen Webdesign-Trends. Doch zunächst widmen wir uns der Geschichte des Webdesigns, klären Definition und Terminologie, und schauen auf die Berufsbilder im heutigen Webdesign.

Alles auf Anfang: Geschichte des Webdesigns

Den Begriff Geschichte in Zusammenhang mit Webdesign zu bringen, erscheint auf den ersten Blick etwas fragwürdig. Zumindest wenn man Webdesign mit anderen kreativen Disziplinen wie der Architektur, der Mode oder dem Produktdesign gegenüberstellt. So reichen Baustil-Epochen bzw. architektonisches Design tausende Jahre zurück. Die Auseinandersetzung mit dem, was man unter Produktdesign versteht, beginnt während der Industrialisierungszeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Springt man in die Moderne, so wird der Begriff Design schnell mit Bauhaus in Verbindung gebracht, dessen Geschichte vor 100 Jahren ihren Anfang nimmt und große Auswirkungen auf das Design hat, sowohl in Kunst wie Handwerk. Seine Philosophie: „Form folgt der Funktion.“

Vor diesem Hintergrund spricht man mit Blick auf das digitale Design vielleicht besser von den ersten Kapiteln im Webdesign-Geschichtsbuch. Wenngleich das Internet als solches bereits seit 1969 besteht („Arpanet“), lässt sich vom Beginn der Webdesign-Geschichte sprechen, als erstmals mehr private als wissenschaftliche PCs Zugang zum Internet erhalten.  Somit nimmt man die Mitte der 1990er Jahre als Startschuss des (kommerziellen) Internets und damit desWebdesigns. In diesen ersten 25 Jahren gab es schon etliche Design-Experimente, technologie-getriebene Trends und Konventionen des Webdesigns. In der folgenden Bildergalerie finden sich einige Beispiele für Digital-Nostalgiker: Prominente Marken und deren Websites bis ins Jahr 2010.

Screenshot-Quellen: 1994-1995 Version Museum / 1996-2010 Wayback-Machine


Wer die Webdesign-Zeitreise noch etwas fortsetzen möchte; in dieser nett animierten History of the web lässt sich noch ein wenig in digitalen Erinnerungen schwelgen.

Wer lieber nach vorne bzw. in die nicht allzu ferne Zukunft blickt; im dritten Teil dieser Blogserie (Link folgt) gibt es noch einige aktuelle Webdesign-Trends.

Was ist also Webdesign?

Webdesign ist eine Unterdisziplin des Mediendesigns. Dessen Studium lehrt sowohl künstlerisch-kreative als auch technische Kompetenzen. Dazu zählen die Bereiche Printmedien, Bewegtbild, Spiele und Internet. Besonderheit des Mediendesigns: Es beschäftigt sich insbesondere mit der Interaktion mit dem Nutzer und mit dessen Erlebnissen mit dem jeweiligen Medium (siehe Abschnitt User Experience).

UI & UX

Sucht man nach einer allgemeingültigen Definition von Webdesign, so wird es als Prozess der Konzeption, der Gestaltung und der technischen Umsetzung von Webseiten beschrieben. Hierunter fällt heutzutage eine solche Vielzahl an spezialisierten Tätigkeiten und Expertisen, dass man digitales Design in viele Disziplinen aufgleist. Diese kreisen vor allem um die beiden Begriffe User Experience (UX) und User Interface (UI). Somit sollten diese Begriffe kurz erklärt werden: Das User Interface steht für die Benutzeroberfläche bzw. -schnittstelle, also das Spielfeld der Interaktion zwischen Mensch und Computer (vgl. Blogbeitrag User Experience – oder – Wenn Mensch und Computer interagieren) bzw. Applikation. Sie ist Teil des Nutzererlebnisses (User Experience), das auf Erwartungen und Emotionen des Users vor, während und nach der Interaktion mit dem UI basiert und somit – in Bezug auf das Design – einen wesentlich größeren Rahmen spannt.

Webdesign-Jobs 👨‍💻👩‍💻

Die Berufsbezeichnungen werden, ähnlich wie in anderen Branchen, nicht ganz konsistent verwendet. Allgemein lassen sie sich jedoch anhand der Arbeitsschwerpunkte wie folgt aufteilen:

  • Tätigkeiten: Konzeption, Design, Engineering, Developing
  • Disziplinen: UI, UX, Usability

Daraus ergeben sich die oftmals nicht trennscharfen Webdesigner-Spezialisierungen von UI-/UX-Konzepter, UI-/UX-Designer, UI-/UX-Engineer oder UI-/UX-Developer.

Am Anfang eines Projektes stehen Analyse und Konzeption, unter anderem zählt hierzu die Gestaltung der Informationsarchitektur. Während die UI-Experten den Fokus auf die Benutzeroberfläche legen, kümmern sich die UX-Fachleute um die Zielgruppe und validieren mittels User Research oder Prototypen-Tests die Akzeptanz beim Nutzer. Die jeweiligen Engineer- oder Developer-Positionen sorgen für die technische Realisierung identifizierter Anforderungen, die in Wireframes, Scribbles oder Prototypen zum Tragen kommen. Hier ist auch die Rede vom Frontend-Developer.

Daneben gibt es noch die Ausprägungen Visual Designer die meist für die grafische Umsetzung der Konzeptionsarbeit zuständig sind. Ihr Ursprung ist Grafik bzw. Kommunikationsdesign. Sie haben jedoch oftmals auch technische Expertise und können die Kreativarbeit in Technik übersetzen. Der Screendesigner ist wiederum etwas übergeordnet und kann sowohl in den Bereichen UX-Design, -Konzeption tätig sein, wie auch im UI-Design. Zusätzlich gibt es Vertiefungen bzw. Zusatzqualifikationen. Ein Beispiel ist hier der Usability Engineer, der sich auf Basis klarer ISO-Normen mit der Ergonomie und der Benutzerfreundlichkeit digitale Produkte auseinandersetzt.

Was bedeutet Usability?

Im Webdesign dreht sich alles um den Nutzer. Im Rahmen der ISO-Norm DIN EN ISO 9241 zur „Ergonomie der Mensch-System-Interaktion“ wird Usability definiert als „Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Nutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.“

Diese Gebrauchstauglichkeit einer Website fußt zunächst auf dem Fundament einer grundlegenden Funktionalität und Zuverlässigkeit einer Website. Erst wenn sie gut lesbar, barrierearm und technisch verlässlich funktioniert, kommen die Aspekte einer effektiven, effizienten und zufriedenstellenden Nutzbarkeit zum Tragen.

Wodurch zeichnen sich barrierefreie bzw. barrierearme Websites aus?

Usability ist nicht für jeden Menschen gleich zu definieren. So gibt es unterschiedlichste Formen von Einschränkungen, die die Bedienung einer Website unterschiedlich komplex werden lassen. Für Menschen mit Konzentrationsschwächen, Nicht-Muttersprachler, Menschen mit körperlicher Schwerbehinderung, Menschen mit Seh- oder Hörschwächen ergeben sich eine Vielzahl von individuellen Anforderungen an eine benutzerfreundliche Website, die zugleich leicht bedienbar, leicht verständlich und gut lesbar sein soll.

Klingt recht sperrig: Die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ definiert den Anforderungskatalog an barrierefreie Websites. Der BITV Lotse klärt hierzu en détail auf.

Was bedeutet User Experience?

Aufbauend auf der Gebrauchstauglichkeit kommen dann die persönlichen Erfahrungen des einzelnen Nutzers hinsichtlich des Bedienungs- und Wahrnehmungserlebnis hinzu. Welche Erwartungen hat der Nutzer vor der Interaktion? Wie „fühlt“ sich die Interaktion mit der Website an? Welche Gefühle weckt das Erscheinungsbild? Konnte die Website überzeugen? Konnte die Website vielleicht einen unerwarteten Mehrwert liefern? Bewirkt die Website überhaupt ein Gefühl? Ist eine nachhaltige Verstärkung in der Markenbindung entstanden? All diese individuellen und in erster Linie qualitativ messbaren Eindrücke und Emotionen im Kontext der Usability machen zusammen die User Experience aus.

Im nächsten Teil der Serie geht es dann u.a. um die technischen Besonderheiten und den Workflow im Webdesign.