Leichte Sprache – verständliche digitale Angebote für alle Menschen
Leichte Sprache ist eine normierte Form der deutschen Sprache zur barrierefreien Kommunikation und ein anerkannter Bestandteil digitaler Barrierefreiheit nach der BITV 2.0.

Verständlichkeit, die wirkt – was Leichte Sprache ausmacht
Leichte Sprache ist keine vereinfachte Tonalität und kein stilistischer Kompromiss. Sie ist ein eigenständiger, klar abgegrenzter Kommunikationsbereich mit festen Regeln. Ihr Ziel ist nicht, Inhalte zu verkürzen, sondern sie wirklich verständlich zu machen.
Gerade im digitalen Raum entscheidet Verständlichkeit darüber, ob Informationen genutzt werden, Prozesse gelingen oder Angebote verlassen werden. Leichte Sprache setzt genau hier an – konsequent, strukturiert und nutzerzentriert.
Dabei steht sie gleichwertig neben der Standardsprache, ersetzt diese aber nicht. Nutzerinnen und Nutzer entscheiden selbst, welche Sprachform sie verwenden. Diese bewusste Trennung ist ein zentraler Bestandteil von Barrierefreiheit – technisch, inhaltlich und konzeptionell.
Daneben gibt es Einfache Sprache.
Sie reduziert Komplexität, folgt jedoch keinen festen Regeln und richtet sich an eine breite Zielgruppe. Sie eignet sich, um Inhalte verständlicher zu formulieren, ersetzt jedoch keine Leichte Sprache, wenn diese erforderlich ist.
Unterschied zwischen Standard-, Einfacher und Leichter Sprache
- Standardsprache: fachlich oder allgemein, komplexitätsoffen, Zielgruppenanpassung optional, nicht systematisch, keine Barrierefreiheitsanforderung
- Einfache Sprache: reduziert und klar, regelgeleitet, aber flexibel (keine strenge Prüfung), für breite Zielgruppen, häufig an Normen orientiert (DIN EN 301 549), aber nicht zwingend normkonform
Leichte Sprache (DIN SPEC 33429): streng geregelt, geprüft (z. B. durch Prüfgruppen), für klar definierte Zielgruppen, hohe Barrierefreiheit, geringe stilistische Freiheit

Warum Leichte Sprache relevant ist
Gesetzlich orientiert
Mit der BITV 2.0 und dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz wird verständliche Kommunikation zu einem festen Bestandteil digitaler Barrierefreiheit. Öffentliche Stellen stehen bereits heute in der Verantwortung, Informationen zugänglich bereitzustellen. Gleichzeitig geraten auch private Unternehmen zunehmend in den Fokus – nicht nur durch regulatorische Entwicklungen, sondern durch steigende Erwartungen von Nutzerinnen und Nutzern, Auftraggebern und Öffentlichkeit.
Leichte Sprache ist dabei kein freiwilliger Zusatz, sondern ein anerkannter Baustein barrierefreier Kommunikation, der rechtliche Orientierung und inhaltliche Klarheit verbindet.
Gesellschaftlich notwendig
Mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland haben Schwierigkeiten, komplexe Texte sicher zu erfassen. Leichte Sprache schafft hier Zugang zu Informationen, ermöglicht eine selbstständige Nutzung digitaler Angebote und unterstützt gesellschaftliche Teilhabe. Sie baut Abhängigkeiten ab, reduziert Unsicherheiten und stärkt Orientierung im digitalen Raum.
Darüber hinaus profitieren auch situative Nutzergruppen von verständlich aufbereiteten Inhalten – etwa ältere Menschen, Personen unter Stress oder Zeitdruck sowie mobile Nutzerinnen und Nutzer, die Inhalte unterwegs oder unter eingeschränkten Bedingungen konsumieren.
Leichte Sprache ist damit kein Nischenangebot, sondern ein strategisches Zugangsangebot, das Reichweite erhöht und digitale Angebote für deutlich mehr Menschen nutzbar macht.
Unternehmerisch sinnvoll
Auch unabhängig von gesetzlichen Vorgaben bietet Leichte Sprache einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert. Verständlich strukturierte Inhalte senken die Komplexität, erleichtern Entscheidungen und verbessern die Nutzung digitaler Angebote spürbar.
In der Praxis führt der Einsatz von Leichter Sprache zu weniger Rückfragen und Supportaufwand, erhöht die Nutzungsraten zentraler Inhalte und Prozesse und wirkt sich positiv auf Conversion und Abschlussquoten aus. Gleichzeitig stärkt sie die Markenwahrnehmung, da Organisationen als klar, zugänglich und verantwortungsvoll wahrgenommen werden.
Verständlichkeit wird damit zu einem messbaren Qualitätsmerkmal – und zu einem strategischen Faktor für nachhaltigen digitalen Erfolg.

Leichte Sprache in digitalen Projekten
Damit Leichte Sprache ihre Wirkung entfalten kann, muss sie von Anfang an mitgedacht werden. Entscheidend ist eine klare Einbindung in Konzept, Technik und Inhalte – nicht als Zusatz, sondern als gleichwertiger Bestandteil des digitalen Angebots.
- Strategisch in der Konzeption: Früh festlegen, welche Inhalte in Leichter Sprache angeboten werden und welche Zielgruppen erreicht werden sollen.
- Technisch sauber integriert: Leichte Sprache wird im CMS wie eine zusätzliche Sprache behandelt – klar getrennt und einfach pflegbar.
- Sichtbar und erreichbar: Der Wechsel zur Leichten Sprache ist jederzeit möglich und eindeutig gekennzeichnet.
- Inhaltlich fokussiert: Konzentration auf Kernbotschaften, ergänzt durch klare Struktur und visuelle Unterstützung.
So wird Leichte Sprache kein Anhängsel, sondern ein selbstverständlicher Teil eines barrierefreien digitalen Angebots.
Für digitale Projekte empfiehlt sich, Leichte Sprache frühzeitig zu planen, technisch sauber zu integrieren und inhaltlich auf zentrale Nutzerbedürfnisse zu fokussieren. So entsteht Barrierefreiheit, die wirkt – für Nutzerinnen und Nutzer ebenso wie für Organisationen.