Persönliche Eindrücke vom 39C3 zur Frage der Datensouveränität
Ein Artikel von Saskia Zierer (UX Designerin) zu Ihrem Besuch beim Chaos Communication Congress im Dezember 2025

Der Chaos Communication Congress und die Frage der Souveränität
Der Chaos Communication Congress – kurz C3 – ist die jährliche Konferenz des Chaos Computer Clubs und findet jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr statt. Hier treffen sich Menschen, die Technologie nicht nur nutzen, sondern sie hinterfragen, auseinandernehmen und neu zusammensetzen. Und das sowohl technisch wie auch gesellschaftlich und politisch.
Für PPW ist der Congress seit vielen Jahren ein Termin, der fest im Kalender vermerkt ist. Hier erhalten wir Einblick in aktuelle Entwicklungen rund um die Themen “IT-Sicherheit”, “digitale Souveränität”, “Netzpolitik” und darüber hinaus kommen wir in den direkte Austausch mit vielen gleichgesinnten Menschen.
Als ich das erste Mal durch die Eingangstüren des 39C3 in Hamburg gegangen bin, hat mich der Gesamteindruck der Veranstaltung fast erschlagen. Tausende Menschen, überall Computer und Laptops, selbstgebaute Hardware, blinkende Installationen und diverse Themen- und Interessengruppen, die sich hier jedes Jahr begegnen. Gleichzeitig ein Programm mit so vielen und vielfältigen parallelen Talks, dass die Veranstaltungstage gut gefüllt waren. Da bleibt es leider nicht aus, dass ich trotzdem Sachen verpasst habe, die ich sehr gerne live gesehen hätte.
Chaotisch? Ja. Überwältigend? Total. Und in jedem Fall sehr inspirierend.
Datensicherheit und -Souveränität - Themenfelder, welche mich begeistern
Ich war bisher noch nicht besonders sensibilisiert für die Themen “Datensicherheit und -Souveränität”. Berührungspunkte durch meine Berufswahl war vorhanden. Eine stärkere Einarbeitung schien mir bisher jedoch nicht zwingend erforderlich. Doch Datenlecks bei international tätigen Unternehmen, DSGVO-Diskussionen im Büroalltag und neue Anforderungen unserer Kunden lenkten meine Aufmerksamkeit. Irgendwann war das Thema nicht mehr abstrakt, sondern sehr konkret in meinem Arbeitsalltag aber auch im privaten Umfeld präsent.
Meine Entscheidung für diesen Congress war daher gelenkt von den Kernthemen der Veranstaltung, denn diese Themen stehen hier im Fokus. Und auch, was meine gesellschaftlichen Werte und Einstellungen betrifft, habe ich mich dort gut wiedergefunden.
1) Cory Doctorow: A post-American, enshittification-resistant internet
Doctorow beschreibt, wie wir als Gesellschaft in eine gefährliche Abhängigkeit von einer Handvoll US-amerikanischer Tech-Konzerne geraten sind und was das konkret bedeutet, wenn sich politische Verhältnisse ändern. Sein Plädoyer für ein dezentrales, resilientes Internet trifft einen Nerv.
2) Die Känguru-Rebellion: Digital Independence Day
Der Name Marc-Uwe Kling wird sicherlich vielen Menschen etwas sagen. Dieser Vortrag war einer der unterhaltsamsten Momente des Congress und gleichzeitig einer der pointiertesten. Kling liest neue Geschichten aus seiner Känguru-Reihe, in denen unter anderem die Köpfe von großen bekannten Tech-Giganten eine Nebenrolle spielen. Was als Lesung beginnt, mündet am Ende in einem konkreten Aufruf: dem Digital Independence Day, kurz DIDay. Jeweils am ersten Sonntag im Monat soll man sich bewusst Zeit nehmen, um sich aus mindestens einer digitalen Abhängigkeit von großen Plattformanbietern zu lösen. Humor als Einstieg, Haltung als Botschaft. Für mich der Tropfen, den ich gebraucht habe, um mich aktiv digital unabhängiger zu machen.
3) Die große Datenschutz-, Datenpannen- und DSGVO-Show
Was sich nach Entertainment anhört, und ehrlich gesagt auch amüsant präsentiert wird, ist in Wirklichkeit eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Ein Jahr voller Datenlecks, fahrlässigem Umgang mit personenbezogenen Daten und Bußgeldern, die vergessen werden. Und dies war definitiv nicht der einzige Talk, der Datenlecks und Co. - im Schwerpunkt in deutschen Behörden - behandelte. Es hat mich nachdenklich gemacht, wie viel in der Praxis noch immer schiefläuft, obwohl die rechtlichen Rahmenbedingungen längst vorhanden sind.
Alle Aufzeichnungen vom 39C3 sind kostenlos verfügbar auf media.ccc.de. Definitiv ein Besuch wert.
Wie dies im Zusammenhang mit meiner Arbeit steht
Die vielen Diskussionen und Debatten haben mich in meinem Gefühl bestärkt, diese Themen im Arbeitsalltag stärker aufzugreifen. Mit jedem neuen Projekt fließt dies auch stärker in die Arbeitswellt bei PPW ein.
Digitale Datensouveränität ist kein Nischenthema! Kundinnen und Kunden fragen aktiv nach, wo ihre schützenswerten Daten liegen und wie wir diese sichern. Auftraggeberinnen und Auftraggeber erwarten, dass die für ihre Projekte betriebene Infrastruktur entsprechend geltender Datenschutzanforderungen betrieben wird. Und spätestens seit dem Schrems-II-Urteil und dem US Cloud Act ist klar: Wer Daten unkritisch in amerikanische Cloud-Dienste schiebt, “kauft” sich rechtliche und strategische Risiken ein, die vielleicht erst viel später zur Herausforderung werden.
Wir haben uns bei PPW deshalb bewusst dafür entschieden, auf maßgeschneiderte Softwarelösungen und sicheres Hosting in Deutschland zu setzen. Nicht weil das der bequemste Weg ist, sondern weil wir überzeugt sind, dass echte Datensouveränität langfristig der einzige Weg ist, der für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wirklich funktioniert.
Fazit: Beim nächsten Event wieder dabei sein.
Ich verließ den Congress mit vielen neuen Gedanken, Tatendrang und einem leicht übermüdeten Kopf.
Die positive Energie des Congresses war deutlich zu spüren: Tausende Menschen, die Technologie ernst nehmen. Die hinterfragen, wem sie gehört, wer sie kontrolliert, und was es bedeutet, wenn wir das nicht mehr selbst beeinflussen können. Das sind keine abstrakten Fragen, dies sind die Fragen, die auch uns bei unserer Arbeit täglich begleiten.
Was mich dabei mindestens genauso beeindruckt hat wie die Talks, war die Community selbst: eine der vielfältigsten und offensten, die ich in der Tech-Welt bisher erlebt habe. Das zeigt, dass diese Themen längst nicht mehr nur eine kleine Nische betreffen und dass es sich lohnt, sie gemeinsam anzugehen.
