AFBMC 2018 – Nachlese zur Social Media Marketing Konferenz

AFBMC 2018 – Nachlese zur Social Media Marketing Konferenz

Von Einhörnern, Friseuren und Social Media Kämpfen auf der AllFacebook Marketing Conference

In etlichen Agenturbüros und Social-Media-Abteilungen dürfte es am 20. März ähnlich ausgesehen haben, wie kurz nach Karneval in einem normalen Kölner Unternehmen. Viele leere Plätze. Grund war in diesem Fall kein Karnevals-Kater, sondern Veranstalter Rising Media, der parallel zur Search Marketing Expo (SMX) und zur AllFacebook Marketing Conference (AFBMC), sowie am Tag darauf zur All Influencer Marketing Conference eingeladen hatte.

Im Wesentlichen beschäftigten sich hier also eine Großzahl digitaler Marketeers damit, wie sie ihre und die Budgets ihrer Kunden effizient an Google und Facebook verteilen, um möglichst viele Menschen von Interessenten in Kunden zu verwandeln (digital-deutsch: Conversions). Hört sich nach Zauberei an, ist es wohl auch ein bisschen. Denn maßgeblich bei beiden Datensammel-Konzernen dafür verantwortlich sind magische Algorithmen, die häufig aktualisiert werden und wie zuletzt im Falle von Facebook dazu führen, dass Seitenbetreiber mit massiven Verlusten der organischen Sichtbarkeit zu kämpfen haben.

Ich war nun also erstmals bei der AFBMC dabei und bekam die volle Ladung Facebook Marketing verabreicht.

Social Media und Kulturwandel bei Daimler

In seiner unterhaltsamen Eröffnungs-Keynote schilderte Blogger und Content-Experte Sascha Pallenberg seine Erfahrungen als Head of Digital Content bei Daimler. Er berichtete, wie Dieter Zetsche die Krawatte ab- und sich ein LinkedIn Profil zulegt, und vom Manager Magazin 2016 in seinen Bemühungen zum Unternehmens- und Kulturwandel als ein „King of Cool“ tituliert wird. Mit anfänglichen Berührungsängsten und nach und nach wachsender Begeisterung für Social Media steht der Vorstandsvorsitzende des deutschen Automobilkonzerns vielleicht exemplarisch für Unternehmenschefs, die sich von den gelernten Hierarchiestrukturen verabschieden und einer transparenten Kommunikation vor allem über Soziale Medien öffnen müssen.
Dabei habe Zetsche mittlerweile verstanden, wie er als glaubwürdiger Markenbotschafter seines Unternehmens direkt nach außen auftritt – ohne zwischengeschaltete PR-, Marketing- oder Rechtsabteilung.

Die Komplexität, alle Beschäftigten eines Unternehmens beim Thema Social Media „abzuholen“, beschrieb Pallenberg mit dem Bild eines Hamburgers. Dessen beiden Brötchenhälften seien zum einen das Top-Management, zum anderen die jungen Arbeitnehmer der Generationen Y und Z. Diese beiden Gruppen hätten einerseits die Notwendigkeit des Kommunikationswandels begriffen, wären andererseits ohnehin mit Internet und Smartphone groß geworden und bräuchten demnach keine Nachhilfe in Sachen Digitalität oder Social Media.
Anders verhalte es sich da jedoch mit dem Patty in der Mitte – Mitarbeiter, die teils jahrzehntelang im Unternehmen sind und nun schwer für Social Media oder sonstigen digitalen Change zu haben seien. Jetzt war ich hungrig. 🍔

 

AFBMC-Larry Kim and the unicorns
Einhorn-Fan Larry Kim auf der AFBMC Bühne

Wilder Parcours-Ritt auf dem 🦄

Vom Burger ging es dann zu Einhörnern. Larry Kim, einziger Speaker aus dem großen Facebook- und Google-Heimatland machte im gleichen Saal weiter, während sich das Programm ab hier auf vier Tracks verteilte.

In seinem Vortrag war volle Aufmerksamkeit gefragt, denn neben seinen prall gefüllten und schnell wechselnden Slides war auch die Tonspur überaus ambitioniert. Abgesehen von seiner Obsession für Einhörner, die in allen Farben und Größen wild von Folie zu Folie galoppierten, gab Kim etliche Praxisbeispiele für das Auffinden von „Content-Einhörnern“ unter vielen unbedeutenden „Content-Eseln“, die laut ihm rund 98% aller Content-Marketing Aktivitäten ausmachen und im Grund kaum zu Wachstum der eigenen Website oder der Social-Media-Kanäle beitragen. So seien die Einhörner dadurch gekennzeichnet, dass sie mindestens das zehnfache Engagement hervorrufen, wie „Donkey Posts“.

Seine Tipps verteilten sich dann auf unterschiedlichste Tools und Einsatzbereiche. Nicht ganz seriös, aber dafür sehr spannend war sein erster Hack: „Die russische Ad Targeting Methode“. Dazu hatte Kim im Fake-News Feldversuch mit kleinem Budget eindrucksvoll bewiesen, wie schnell eine erfundene Lügengeschichte zu Klicks und Engagement führen kann. Dass so die Urheber dieser Methode vor zwei Jahren zu einer „POTUS-Conversion“ erheblich beitragen konnten, ist mittlerweile kein wildes Gerücht mehr.

Über diverse Facebook Targeting Möglichkeiten, Content-Sharing auf Plattformen wie medium.com, „Fake Unicorn Hacks“ wie der Klick-Generierung über das Placements im Google Audience Network, der Einbeziehung von Facebook und Twitter Insights, sowie Google Analytics war das Portfolio seiner „Growth Hacks“ breit gestreut und glich einem wilden Parcours-Ritt über sämtliche Online-Marketing Disziplinen. WIFI sei dank, konnte man seine Präsentation sofort herunterladen…

AFBMC Techie-Grundversorgung
Elementare Grundversorgung auf digitalen Konferenzen: Strom und WIFI-Zugang

 

Deepdive in die Untiefen des Facebook Werbeanzeigenmanagers

Deutlich technischer und völlig ohne Einhörner ging es dann für mich mit zwei Vorträgen rund um die Werbemöglichkeiten von Facebook weiter. Die technischen Details, wie Zieldefinitionen, Gebotstypen à la CPM – CPO – CPA, Targeting-Kombinationen und Werbeformate erspare ich mir und dir an dieser Stelle.

Trotz aller Erfahrung beider Referenten kamen sie unabhängig voneinander immer wieder auf den einen wichtigen Punkt: Testen. Angesichts der Vielzahl an Parametern ist es kaum möglich allgemeingültige Aussagen zu treffen, die sich für verschiedene Produkte oder Dienstleistungen über unterschiedlichste Zielgruppen hinweg treffen lassen. Einen Teil der Arbeit übernimmt ohnehin bereits die künstliche Facebook-Intelligenz. Insofern helfe nur das Testen und Drehen an verschiedenen Stellschrauben.

Abzuwarten bleibt, ob Facebook in Europa zukünftig die Optionen im Bereich des Targetings anpassen wird. So bietet Facebook derzeit die Option über Custom Audience eigene Kundenlisten hochzuladen um diese dann mit Facebook Nutzerprofilen abzugleichen. Wie sich das mit der bald kommenden DSGVO verträgt, ist für mich fraglich. Aber vielleicht geht Facebook hier ähnlich vor, wie in seiner Haltung bei der Veröffentlichung von Fake News; wir stellen nur die Plattform und haften nicht für deren Missbrauch.

 

AFBMC Vortrag Attract and repel

Tu’s einfach und polarisiere – Facebook-Tipps aus dem Allgäu

Nach diesen eher trockenen Vorträgen ging es dann wieder deutlich unterhaltsamer weiter. Michael Kiechle kam in Begleitung seines KMU-Kunden Günther, einem Frisör aus dem beschaulichen Ort Kaufbeuren im Allgäu. Die beiden zeigten, wie sie es geschafft haben in einer überschaubaren lokalen Zielgruppe von 32.000 Facebook Nutzern ein erhebliches Engagement für den Frisörsalon von Günther zu erzeugen. Ihr Rezept: Die spontanen Ideen funktionieren meist am besten. Denke nicht darüber nach, was die anderen wohl denken könnten. Keine Angst vor Hatern.

Dabei setzt Günther voll auf die Taktik, bloß keine langweiligen und typischen Frisör-Bilder zu posten. Er besitzt eine gute Portion Exzentrik und hat Spaß an der Selbstinszenierung. So schaffen es die beiden Allgäuer mit scheinbar trivialen aber ungewöhnlichen Posts werbewirksam höchste Relevanz-Ratings zu erzielen, obwohl sie im wortwörtlichen Sinne völlig irrelevant sein sollten. Aber geht es nicht genau darum in Social Media; nur die kuriosen Dinge gehen viral?

In jedem Fall war der Vortrag aus Storytelling-Sicht mein persönliches Konferenz-Einhorn. Zugleich war er wieder mal Beleg dafür, dass Kreativität und „Just-do-it-Mentalität“ die beiden Grundvoraussetzungen für Social Media sind.

 

Social Media - Make love not war - AFBMC
Marketing vs. PR – wer bekommt die Social-Media-Hoheit?

Friedvolles Finale

Mit dem Titel „Make love not war“ kündigten sich als Schlussredner zwei Vertreter von Microsoft an, die das Social-Media-Kompetenzgerangel zwischen Marketing und Public Relations erfolgreich beendet haben wollen. Anstelle von behornten Vierbeinern griffen Magdalena Rogl und Tobias Röver ins DC Universum und packten Wonder Woman als Vertreterin der PR, sowie Superman als Marketeer in den Ring bzw. auf die Folien.

Hart gekämpft wurde jedoch nicht. Vielmehr beschrieben die Microsoft-Superhelden auf beinahe romantische Art, wie es gelungen ist, dass beide Abteilungen gleichberechtigt Social Media in den Kommunikationsmix einbinden und synergetisch nutzen. Verblüffend einfach und völlig analoge Lösungswege seien hier gewesen: Regelmäßige Kaffeetreffen face-to-face und transparente Kommunikation. Also Kollaboration abseits von E-Mails und üblichen Meetings. Verblüffend: Social Media verbindet also auch im echten Leben. 👩‍❤️‍👨

Kommentieren

Dein Kommentar