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Google AMP – Websites auf der Überholspur

Google AMP – Websites auf der Überholspur

Schnellere Webseiten dank Google AMP

Ladezeiten sind nicht nur für Smartphones und Elektroautos eine kritische Messgröße – vor allem bei Websites spielen sie eine große Rolle. Wir haben bereits an anderer Stelle in unserem Blog über das Thema Page Speed (von TYPO3 Seiten) berichtet. Zwischen 40-50 % der Nutzer verlassen eine Website, wenn sie nicht binnen 3 Sekunden geladen ist, so die Angaben von Facebook und Google. Zudem tragen oftmals eine nicht-responsive Darstellung oder ganzflächige Werbung zu einer schlechten User Experience bei.

Hier wollen beide Konzerne Abhilfe verschaffen, rücken sie doch das positive Nutzererlebnis als ihr zentrales Anliegen immer wieder in den Vordergrund. Aus diesem Grund kommten Google AMP und Facebook Instant Articles ins Spiel.

 

Facebook Instant Articles

Dem Problem der Ladezeiten extern verlinkter Artikel begegnet Facebook seit 2015 mit seinem Dienst Instant Articles. Um die Ladezeiten verlinkter Nachrichtenseiten oder Portale zu reduzieren, bietet Facebook eine integrierte Lösung, die Artikel direkt auf Facebook einbindet und sie nicht wie üblich an die externen Medienseite weiterleitet. Laut Facebook laden diese Artikel bis zu 10x so schnell wie übliche mobile Artikel und vorzeitige Absprünge würden um 70 % reduziert. Geldwerter Nebeneffekt: Dies ermöglicht sowohl Facebook als auch dem Medienpartner eine weitere Option zur Monetarisierung. Die bei Facebook dargestellten Artikel können mit Werbung versehen werden. Wer die Vermarktung Facebook überlässt, kassiert eine Provision von 30%.

Zur Veranschaulichung der Ladezeit, hier ein kurzes Screen-Recording-Video mit einem Beispiel eines Instant Articles, der sich blitzschnell aus der Facebook Android App heraus öffnet. Das Video beinhaltet keinen Ton.

 

Facebook Newsfeed abhängig von Page-Speed

Neben der optionalen Einbettung von News in Instant Articles hat Facebook angekündigt, Websites mit langer Ladezeit weniger im Newsfeed der Nutzer darzustellen als optimierte Seiten. Bereits jetzt erhalten Nutzer, die mit geringerer Verbindungsgeschwindigkeit mobil auf ihr Smartphone zugreifen, einen angepassten Newsfeed: weniger Video, mehr Text.

 

Google AMP – der Seitenbeschleuniger

Im letzten Jahr folgte Google dem Konkurrenten Facebook mit den drei Buchstaben AMP. Diese Abkürzung steht für Accelerated Mobile Pages und verspricht Nutzern mobiler Endgeräte deutlich beschleunigtes Laden von Inhalten, die bereits in den Suchergebnissen als solche ausgewiesen werden. Technisch basieren AMP auf drei Bausteinen. Die Technik nutzt ein eingeschränktes HTML, ein spezielles und stark limitiertes JavaScript (das z.B. Lazy Loading ermöglicht) und einen eigenen AMP Cache, der auf Googles Servern gehostet und von dort ausgeliefert wird. Sichtbare Inhalte werden erst geladen, sobald sie beim Scrollen auch auf dem Bildschirm dargestellt werden. Bilder werden automatisch an Displaygrößen angepasst und Datenmengen somit insgesamt um bis zu 90 % reduziert. Über Schnittstellen wird die Einbindung zu Analyse-Diensten wie Google Analytics ermöglicht.

Um nicht von überdimensionierten Werbebannern entnervt zu werden, reglementiert AMP die Schaltung von Werbebannern auf feste Formate und die Platzierung kann lediglich indirekt über Vermarkter erfolgen. Somit spielt auch hier der Aspekt der Vermarktung der Medieninhalte über die AMP Ads eine nicht ganz irrelevante Rolle im Leistungsumfang dieses Google Produkts.

Mehr zu AMP in diesem Hangout-Einführungsvideo der Entwickler.

 

Für wen eignen sich Facebook Instant Articles und Google AMP?

Beide Dienste zielen in erster Linie auf Seitenbetreiber mit kontinuierlichem Fluss an Neuigkeiten ab, also Nachrichtenseiten, Portale, Blogs und vergleichbare Formate. So gehören die New York Times, Washington Post, National Geographic bzw. BILD oder Spiegel Online in Deutschland zu den Medienunternehmen, die mit den Technologien der beiden Tech-Giganten arbeiten. Gibt man bei Google einen Suchbegriff mit News-Bezug ein, tauchen AMP Ergebnisse nun z.B. mit Bildvorschau in Karussell-Darstellung auf.

Google AMP SERP Karussell
AMP News Darstellung in Karussell-Darstellung

 

Auswirkungen auf das Ranking durch AMP

Das Thema Page Speed wird immer wichtiger für die Auslieferung der Suchergebnisse des Suchmaschinenriesen. Google bietet eigene Tools an, mit denen die Geschwindigkeit der eigenen Website sowie deren Responsivität geprüft werden kann. Die AMP Suchergebnisse werden wie bereits beschrieben ganz oben auf den Suchergebnisseiten („SERP“) dargestellt. Wie auf dem folgenden Screenshot dargestellt, erscheinen AMP Schlagzeilen noch vor dem „Featured Snippet“. Klassische organische Suchergebnisse sind somit erst beim Scrollen sichtbar. Damit einher geht natürlich ein Verlust an organischem Traffic für alle jene Seiten, deren Keywords ebenfalls für News-spezifische Suchanfragen ranken, jedoch nicht als AMP dargestellt werden. Anders formuliert: Entweder spielen Verleger mit und liefern ihre Inhalte ebenfalls im AMP-Format oder sie nehmen bewusst Trafficeinbußen organischer Suchen über mobile Endgeräte in Kauf.

AMP Ergebnisse an Platz 1 des Rankings
AMP Beiträge noch vor dem „Featured Snippet“ ´

Kritik an AMP

Das Angebot von Google, Content von Drittanbietern − also insbesondere den von Nachrichtenverlagen − ihrem eigenen System bzw. Content-Delivery-Network einzuverleiben, stieß nicht nur auf positive Resonanz. Kritiker werfen Google u.a. vor, durch den Dienst AMP auch Fake News leicht Verbreitung finden zu lassen. Durch die ungeprüfte Signalwirkung eines AMP Siegels würden so auch Beiträge hervorgehoben, die damit automatisch dem Angebot seriöser Nachrichtendienste gleichgestellt würden. Die Verschmelzung eines unabhängigen Rankings von Nachrichten mit den wirtschaftlichen Zielen des Suchgiganten wird ebenso kritisch betrachtet wie auch die Tatsache, dass anstelle einer dezentralen Serverstruktur durch AMP sämtliche Anfragen auf Google Servern landen und so weiter Datenschutz beschnitten wird. Zudem würden Medienunternehmen noch enger an Google gebunden.