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Google Maps Updates und neues Preismodell

Google Maps Updates und neues Preismodell

Der im Jahr 2005 gestartete Online-Kartendienst Google Maps dürfte für die meisten Smartphone-Nutzer wohl eine der wichtigsten Apps auf ihrem Smartphone sein. Rund eine Milliarde täglicher Nutzer greift laut Angaben des Konzerns auf das kostenlose Angebot zurück. Nun hat Google einige Neuerungen angekündigt. All jene Organisationen, Webmaster und Entwickler von Websites oder Apps, die Google Maps Dienste nutzen, sollten sie kennen.

Der Untergang spezialisierter Navigationssysteme

In Deutschland wurde Maps im Jahr 2006 eingeführt. Bereits seit 2009, also nur wenige Jahre später, entwickelt sich die Zahl verkaufter Navigationsgeräte rückläufig (Quelle: Statista). Ob hier nun alleine Google verantwortlich, oder auch eine gewisse Marktsättigung der PND (Portable Navigation Device) erreicht ist, bleibt schwer zu beantworten. Fakt ist: Der Wettbewerb im Navigationsmarkt ist besonders hart. Wer kauft sich schon ein spezielles Navigationsgerät oder einen kostenpflichtigen Kartendienst, wenn das Smartphone doch ohnehin in der Tasche und Google Maps bereits vorinstalliert ist?
Hersteller wie TomTom kämpfen mit sinkenden Umsätzen oder sind gänzlich vom Markt verschwunden wie der Hersteller United Navigations (Marken: Falk und Becker). Vor wenigen Wochen hat der erst seit 2011 zu Garmin gehörende Navigationssysteme-Hersteller Navigon sein Angebot eingestellt.

Navigon am Ende

Zu mächtig ist die Gratislösung des Suchmaschinengiganten, der in Sachen Funktionalität und Usability spezialisierten bzw. kostenpflichtigen Anbietern kaum nachsteht.

Große Funktionalität bei Google Maps

So ermöglicht Google Maps ein Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten: Straßenkarte, Gelände- oder Satellitenbild. Per Spracheingabe lässt sich das Ziel eingeben. Neben der Routenführung für den Kraftfahrzeugverkehr sind auch der öffentliche Nahverkehr sowie die gänzlich emissionsfreien Transportlösungen Fahrrad und Fuß integriert. Aktuell arbeitet Maps bereits an einer Echzeitfunktion für den ÖPNV, die allerdings in Deutschland noch nicht verfügbar ist. Über Spracheingabe lässt sich dabei das Ziel definieren, ohne dabei die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Wenn man im Ausland unterwegs ist, kann man vorab Kartenausschnitte herunterladen, so dass auch ohne bestehende Datenverbindung die Routenführung möglich ist. Mit Street View lassen sich aus der Straßenperspektive 360° Panoramen bestaunen. Für Inhaber von Ladengeschäften, Restaurants und anderer Betriebe bietet Google Places bzw. die Verbindung zu Google My Business die einfache Möglichkeit, auf dem „Radar“ eines lokal Suchenden zu erscheinen.

Mich persönlich beeindruckt die Präzision in der dynamischen Routenführung, die Staus oder typische Rush-Hour-Phasen mühelos umfährt und trotz Verkehrsbehinderung recht genaue Zielankunftszeiten vorhersagt.

Neues Abrechnungsmodell für Google Maps

Nun hat Google Anfang Mai angekündigt, neue Modalitäten samt eines neuen Abrechnungsmodells für Google Maps einzurichten. Keine Angst: Endverbraucher werden nicht zur Kasse gebeten. Offizieller Start für die Anpassungen ist der 16. Juli 2018. Ab dann ist für jede Einbettung von Maps ein API-Key erforderlich. Bislang konnte die Einbettung auch noch ohne API-Schlüssel erfolgen. Gleichzeitig ist die Verknüpfung mit einem Kundenkonto über die Google Cloud Platform notwendig. Hier müssen Zahlungsinformationen (Kreditkarte oder Bankverbindung) hinterlegt werden, die für die Zahlung herangezogen werden. Die tatsächlichen Kosten ergeben sich nutzungsabhängig über den API-Key.

Die „vorerst“ gute Nachricht: Monatlich erhält jedes Kundenkonto ein Guthaben in Höhe von 200,- $. Ist dieses aufgebraucht, fallen Gebühren an. So sind beispielsweise 100.000 statische Kartenaufrufe inklusive. Laut Google soll bei diesem Preismodell ein Großteil der Kunden weiterhin kostenlos unterwegs ein.

Google Maps Änderungen – was gilt es nun zu tun?

Die Google Maps Platform bietet einen Leitfaden, der über die Änderungen informiert. Er beinhaltet ein Tool zur Umstellung. Um die individuell entstehenden Kosten besser planen zu können, bietet Google einen Preisrechner an: https://mapsplatformtransition.withgoogle.com/calculator

Zusätzlich findet sich hier eine Preistabelle: https://cloud.google.com/maps-platform/pricing/sheet/

In der Google Cloud Platform (GCP) kann man sich einen Überblick über die aktuellen Zugriffszahlen verschaffen und ggf. die Kosten deckeln. So lassen sich beispielsweise Benachrichtigungen für Abrechnungsadministratoren definieren, die bei Erreichung eines definierten Budgetbetrags per E-Mail informiert werden. Zusätzlich steht auch die Sperrung des Dienstes bis zur nächsten Abrechnungsperiode zur Verfügung, wenn z.B. 200 $ verbraucht sind.

Screenshot Abrechnung Google Cloud Platform
Google Cloud Platform: Budgets & Benachrichtigungen

Neu ist zudem ein spezialisierter rund-um-die-Uhr-Support. Einige Fragen zu den Google Maps Änderungen werden in den FAQ beantwortet.

Abzuwarten bleibt, wie Google in den nächsten Jahren weiter vorgeht, wenn die Kunden erst durch die obligatorischen Konten enger an die Leine genommen werden konnten, und sich das Mitbewerberfeld weiter ausgedünnt hat.

Google Maps Alternativen gesucht?

Kostenlose Alternative für Webmaster: https://www.openstreetmap.de/
Individuell anpassbares Design für eigene Karten: https://www.mapbox.com/
JavaScript-basierter Open-Source Kartendienst: https://leafletjs.com/