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PPW bei der beyond tellerrand 2016

PPW bei der beyond tellerrand 2016

Bereits zum siebten Mal fand vor rund zwei Wochen die beyond tellerrand in Düsseldorf statt. In der insgesamt zehnten Edition der Konferenz wagten ein paar hundert Teilnehmer im restlos befüllten Capitol Theater zwei Tage lang gemeinsam den Blick über den Tellerrand.

Und wie es so schön heißt, war der Name auch Programm. Denn die 13 Speaker kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Web- und Kreativindustrie, entsprechend unterschiedlich waren ihre Themen. Von Christopher Murphy, der die Konferenz montags eröffnete und über Zeit- und Selbstmanagement referierte (Video: „Time + Creativity“) bis hin zum englischen Künstler Mr. Bingo, der am Dienstagabend aufzeigte, wie er sich einen Namen damit gemacht hat, beleidigende Postkarten zu schreiben und daraus per Crowdfunding ein Buch machen zu lassen.

Doch auch der direkte Bezug zum Berufsalltag der aus 21 Ländern angereisten Teilnehmer war bei der beyond tellerrand gegeben: So wurde moderne Spieleentwicklung mit JavaScript, CSS-Animation, Sicherheitslücken in Angular, Best Practices bei Web-Typographie, der Einsatz von HTTP2 oder etwa die bestmögliche Bildkomprimierung behandelt. Im Vergleich zu anderen, mitunter recht eintönigen Fachkonferenzen dürfte so für jeden Digitalschaffenden etwas dabei gewesen sein und sei es nur, dass man eine neue Sichtweise vermittelt bekam.

Auch abseits der Talks konnte man bei fantastischer Atmospähre im und vor dem Theater bei Burger, kostenlosem Eis oder einer Partie Kicker zwei lohnenswerte, überaus interessante Tage verbringen. Wir von PPW waren selbst zu viert vor Ort und da bei einer solch umfänglichen Konferenz jeder eigene Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause nimmt, habe ich meine Kollegen auch um ihr Resümee gebeten:

Michael Wild, Geschäftsführer

In dem Moment wo wir unseren Blick über den Tellerrand wagen, entsteht eine Ausdehnung die uns von unserem Standort entfernen lässt. Diese Ausdehnung ist erst dann endlich, wenn uns die Leichtigkeit abhanden kommt uns auf etwas Neues einzulassen. Das führt uns zurück zu unserem Standort.

Danach haben sich alle zwölf Speaker die ich gehört habe ausgerichtet. Ausdehnen, Ausdehnen, Ausdehnen. Philosophisches gemischt mit Science fiction und Projekten, überlagert von HTML, CSS und JavaScript, auf der Suche nach der richtigen Typografie und einer anständigen Portion Kontrast und Innovation. In den Pausen versetzte ein treibend leichter Bass den Veranstaltungsraum in Schwingung, auf dessen Oberfläche Stimmen und Töne tanzten. Wenn die Musik aus war, trieb die Sprache der Speaker teilweise mit einer enormen Geschwindigkeit die Themen voran. Mario hat uns mit seinem Vortrag zum Thema „Sicherheit von AngularJS“ dabei besonders gefordert (Video: „An Abusive Relationship with AngularJS“). Im Poetry-Tempo konnten wir auf der sprachlichen Überholspur eine Weile mit ihm fahren. Zum Schluss haben wir uns mit ihm und einem denkbräu gefreut, dass er Google gezeigt hat wo der Hammer hängt!

Danke an Marc, Christopher, Lil, Michael, Catt, Mario, Dominic, Jeremy, Val, Tobias, David und Andrea. Interessante zwei Tage!

Klasse Vortrag von Indra (Video: „Typography on the web is just like other typography only much more interesting“), aber warum nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip?

Verstehe ich schon mit den harten Kontrasten, aber eine dunkelgraue Schrift auf weißem Hintergrund geht schon. Es gibt ja auch noch Schrift und Schriftgröße, um den Kontrast zu bewerten. 🙂 Und nun ja, Weißräume sind schon sinnvoll. Wenn es dann doch einmal nicht passt, könnte auch die Position eines Inhaltelements verändert werden anstatt komplett auf Weißräume zu verzichten. 🙂

Mr. Bingo bildete dann zum Schluss das Finale. Was soll ich sagen. Crazy Guy.

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PPW zusammen mit Kollegen von Sparhandy. Bild aus einem Tweet von @michsch.

Omar Marie, Frontend-Entwickler

Bei schönem Wetter bekamen wir in Düsseldorf interessante Speaker mit spannenden Themen präsentiert. Meine Highlights waren vor allem Tobias Baldaufs Talk über HTTP2 und Bildkompression (Video: “Your Hero Images Need You! Save the Day with HTTP2 Image Loading”) und der mitunter sehr praktische Animationsvortrag von Val Head (Video: “Designing Meaningful Animation”, Tipp: eines ihrer Bücher zum Thema CSS Animation gibt es hier aktuell kostenlos).

Ich freue mich darauf, die hier vorgestellten Ideen und Techniken schon bald in meiner täglichen Arbeit einsetzen zu können. Besonders unterhaltsam war zum Abschluss der Konferenz der Beitrag des englischen Künstlers Mr. Bingo.

Michael Schulze, Frontend-Entwickler

Die beyond tellerrand stand schon seit ihrer ersten Auflage im Jahr 2011 für eine etwas andere Entwicklerkonferenz. Der Name ist auch heute noch Programm und das eigentliche Highlight ist der fehlende inhaltliche Rahmen. Natürlich beschäftigt sich jeder Talk irgendwie mit dem Web, aber es ist eben keine reine Frontend-Konferenz.

Meine Arbeit als Frontend-Entwickler zeigt mir jeden Tag, dass die Grenzen der Tätigkeiten fließend sind. Ein Designer wird auch zum Entwickler und erarbeitet erste Protoypen. Ein Entwickler hinterfragt Konzepte kritisch und während einer agilen Arbeitsweise kann man konzeptionelle Fehler oder User Interfaces, welche schlechter funktionieren als erwartet, gemeinsam im Team lösen und verbessern. Experten bleiben Experten, blicken dabei aber über ihr Expertengebiet – über ihren Tellerrand – hinaus. Die Zeit der Web-Generalisten neigt sich dem Ende und interdisziplinäres Arbeiten wird wichtiger. Genau dafür steht die beyond tellerrand.

Persönlich empfand ich genau die Talks am interessantesten, welche nicht zu meinem Fachgebiet gehören, um genau diesen Blick auf andere Bereiche zu trainieren. Ob das eine Lil Chen mit der auf Design bezogenen Aussage „Tu Gutes und sprich darüber“ war (Video: „Advice from a young designer to younger designers“), oder Indra Kupferschmid, welche darauf hinwies, dass Typographie auch im Web existiert. Beides klingt selbstverständlich und ist es weitgehend auch. Eine kurze Erinnerung und zusätzliche Informationen sind aber durchaus hilfreich.

Besonders herausheben möchte ich Mr. Bingo und Mario Heiderich. Zu Mr. Bingo möchte ich nichts weiter schreiben. Bitte verwende einfach die Google-Bildersuche („Mr. Bingo“) oder schaue dir sein Rapvideo an. Mario beeindruckt mich immer wieder mit seinem Wissen über Sicherheitslücken und der unglaublichen Kreativität, mit welcher potentiell kriminelle Hacker vorgehen – ein Augenöffner.

Neben den Talks ist auch das Publikum sehr sympathisch. Als regelmäßiger Gast auf diversen Konferenzen und Stammtischen trifft man viele Bekannte und auch mit fremden Teilnehmern kommt man schnell ins Gespräch. Vielen Dank an Marc Thiele und das gesamte Team für ein hervorragendes Event.

Rapvideo zur Crowdfunding-Kampagne von Mr. Bingo.

Stefan Grund, Frontend-Entwickler

Neben dem überaus gelungenen Konferenzprogramm sollten auch die “Side-Events” lobende Erwähnung finden. Zusammen mit verschiedenen Partnern hat Marc nämlich auch hier einiges aufgeboten.

So begann die beyond tellerrand für mich bereits zwei Tage zuvor beim IndieWebCamp, das zwei Tage lang erst theoretisch, dann ganz praktisch die Ideen des “Indie Webs” vermittelte. Zusammen mit den IWC-Gründern Aaron Parecki, Tantek Çelik und Jeremy Keith konnte man hier daran arbeiten, dass jeder Nutzer seine Daten selbst verwaltet und veröffentlichtet, anstatt sich auf die Silos von Google, Facebook und Twitter zu verlassen – angefangen bei sich selbst. Jeremys Vortrag über die Geschichte und wünschenswerten Prinzipien der Web-Entwicklung war dann später auch eines meines Highlights (Video: “Resilience”).

Auch nachdem die Beyond Tellerand beendet schien, zog es uns am Folgetag abends erneut nach Düsseldorf. Zusammen mit dem Webworker NRW Meetup fand in der Garage Bilk nämlich eine weitere, kostenlose Zusatzverantstaltung statt: Der sehr lohnenswerte “From Zero to React in 3 Hours”-Workshop von Sebastian Deutsch, der dann beim gemeinsamen Chili essen endete.

Neben viel Inspiration konnte ich so in den zwei bzw. fünf Tagen einiges an Know-How für meine tagtägliche Arbeit mitnehmen. So bleibt festzuhalten, dass sich die beyond tellerrand trotz oder gerade wegen des umfangreichen Themenspektrums immer noch besonders für Frontend-Entwickler lohnt, lässt sich unser Feld doch eben nicht mehr nur auf HTML und CSS beschränken, sondern ist stetig im Wachstum und Wandel.

Da unsere Eindrücke allesamt sehr positiv waren und wir alle voller Tatendrang die Heimreise aus Düsseldorf antraten, freuen wir uns darauf, auch 2017 wieder einen Blick über den Tellerrand zu wagen.

Wer nicht bis dahin warten möchte, kann bereits im November die dritte Berlin-Edition der beyond tellerrand besuchen. Wer sich die Vorträge selbst nochmal ansehen will, findet diese hier bei Vimeo. Im offiziellen Konferenzblog gibt es zudem auch einen ausführlichen Rückblick.

 

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Foto von Andreas Dantz (verwendet unter CC-Lizenz), der in diesem flickr-Album noch weitere Eindrücke von der beyond tellerrand festgehalten hat.